Wer mal auf einer Spaßregatta versucht hat, ein selbst gebautes Wassergefährt oder eine Badewanne zu steuern, weiß, wie schwer das ist. Manchmal kommt man vorwärts und manchmal dreht man sich im Kreis, obwohl man wie wild dagegen anpaddelt.

Wie komme ich auf die Badewanne?

Ich nehme die Wanne einfach mal als Synonym für Sammelbecken. Denn ein solches ist die Piratenpartei zumindest hier in Brandenburg momentan. Aus allen Richtungen sind Menschen zu uns gekommen, was ja so auch nicht schlecht ist. Im Gegenteil, es ist gut, wenn so eine Partei die Gesellschaft auch in ihren eigenen Reihen abbildet.

Die Leute kommen, weil sie mit der gegenwärtigen Situation unzufrieden sind, manche haben persönliche Probleme mit ihrer Umgebung, andere suchen eine neue politische Heimat. Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, jeden in die Partei aufzunehmen, denn ich freue mich über jeden, der sich politisch engagieren will.

Ich habe aber das Gefühl, dass hier etwas schief läuft, da sich ein Teil der neu eingetretenen Mitglieder sich gar nicht mehr wirklich mit der Piratenpartei identifiziert. Fragt man herum, was die Piratenpartei denn so bewegen möchte, kommen vielleicht noch die Schlagworte “Bürgerbeteiligung” und “Transparenz” und das war es dann. Nachfragen ergeben dann, dass kaum Hintergrundwissen vorhanden ist oder vielleicht eigene Vorstellungen, wie man das umsetzen kann.

Bei einem Mitglied, welches eher passiv ist und mehr oder weniger die Partei durch seinen Beitrag fördert, kann ich das ja auch verstehen. Da muss man nicht so fit sein.

Aber wir haben immer mehr das Phänomenen, dass wir aktive Leute haben, die sich auch noch um Pöstchen in Vorständen oder sogar als Kandidaten für kommende Wahlen bewerben.

Leute, die nicht wissen, was im Wahl- oder Grundsatzprogramm steht und munter mit ihrem fundierten Halbwissen am Infostand glänzen.
Als ich damals in die Piratenpartei eingetreten bin, war diese Partei für mich genau die freiheitliche Alternative, die etwas unternahm, um den orwellschen Ansatz der Regierung etwas entgegenzusetzen. Ich konnte mich damit sehr gut identifizieren und tue das bis heute noch. Ob sie eine Chance auf einen Einzug in ein Parlament hatte oder nicht, war mir damals weitestgehend egal, weil ich schon froh war, Teil dieser neuen Bewegung zu sein.

Deshalb frage ich mich, was heute so manchen antreibt, Mitglied in dieser Partei zu sein.

Die eine Gruppe ist sicherlich die, die ihre eigenen Themen einbringen will. Das mag ja nicht schlecht sein, da uns ein breites Themenfeld ganz gut zu Gesicht steht. Bei einigen dieser Gruppe ist es aber deutlich zu sehen, dass es ihnen nur auf die eigenen Themen ankommt und ihnen der Rest egal zu sein scheint. Das finde ich nicht so “prickelnd”, da ich hier automatisch an Unterwanderung und Lobbyismus denken muss. Das mag vielleicht übertrieben sein, aber wenn ich sehe, dass es auf einem Parteitag in Brandenburg reicht, wenn knapp 40 Leute ihr Kärtchen heben, um Programmpunkte zu beschließen, muss man hier einfach vorsichtig sein. Zumal die Transparenz hier in den eigenen Reihen plötzlich aufhört, weil nicht alle offen zugeben, in welchen Organisationen sie bereits früher sich für diese Themen eingesetzt haben. Es gibt Mitglieder, die hier offen damit umgehen und das ist auch richtig. Man kann dann besser das Engagement des Einzelnen einschätzen.

Die nächsten, die die Piratenpartei so gut finden, dass sie Mitglied werden, sind die, die es früher in einer oder mehreren anderen Parteien schon mal mit der Politik versucht haben. Bei eine Mehrzahl von denen habe ich festgestellt, dass sie sich sehr schwer tun, ihre eingefahrene Parteidenkweise abzulegen. Hier scheint es einigen einfacher, die Piraten an das Parteiensystem anzupassen, als dass sie sich selbst ändern. Es wird auf Anweisungen von Vorständen gewartet, anstatt sich selbst zu engagieren. Formalfoo aus anderen Parteien wird übernommen, weil man damit ja vertraut ist, anstatt piratisch politisch zu arbeiten.

Und dann habe ich noch einen Typus Pirat ausgemacht:
Die, die nach Höherem streben und Pöstchen haben wollen.
Ihr kennt das? Leute, die in jeder Mail im Footer ihre Posten angeben(Beisitzer in xy-Vorstand) und gar nicht wissen, wie sie den Posten ausfüllen sollen. Bei Wahlen zu Vorstandsämtern melden sich immer mal einige von ihnen, um sich anschließend mit Bezeichnungen schmücken zu können. Dass mit dem Amt auch Arbeit verbunden ist, stört sie zur Wahl und auch später nicht.
Im Vorfeld zu den kommenden Bundes- und Landtagswahlen verschärft sich das mit der Pöstchenschacherei noch etwas mehr. Da muss man natürlich irgendeinen Posten innehaben, um seine Kandidatur für die Wahl zu verbessern.

Ich halte von solchen Leuten nichts.
Vorstände sind bei den Piraten eher die Dienstleistenden für die Basis. Im Idealfall wird diese unterstützt. Da das nicht immer so gut funktioniert, ist es manchmal auch notwendig, die Basis zu mehr politischer Arbeit zu motivieren. Jedenfalls hängt ordentlich Arbeit an so einem Amt, wenn man es ernst nimmt und richtig macht. Und nur, wenn ich mir bewusst bin, eine solche Arbeit zu leisten, dann kandidiere ich für so ein Amt.
Und wo wir gerade bei der Bundestagswahl sind:
Ja auch ich bewerbe mich für einen Listenplatz. Und ich bin gespannt, wo die Reise hingeht, wenn ich sehe, wie manch anderer Kandidat um die Gunst der Piraten buhlt. Ich selbst bin in dieser Hinsicht mehr der Idealist und glaube daran, dass wir eine Liste wählen, die wirklich vernünftige Piraten enthält. Ob wir es schaffen eine Liste zu wählen, bei der es nicht darum geht, wie präsent ein Kandidat gerade ist oder wie viele Leute er zur Aufstellungsversammlung heranschafft, steht noch in den Sternen. Vielleicht ist es einfach normales menschliches Verhalten, aber ich sehe hier eher einen Trend der Piraten, in Richtung der “normalen” Parteien abzudriften.

Es ist nicht einfach bei dem Pool an verschiedenen Menschen, die bei uns sind. Wenn wir aber so weiter rumdümpeln, ist der Weg zur einer Partei, die sich von den anderen nicht mehr unterscheidet, nicht mehr weit. Vielleicht sollte sich jeder, der sich selbst als aktiver Pirat sieht, mal selbst fragen, wie viel Pirat er ist.

Ich erwarte Ehrlichkeit und Offenheit von Leuten, mit denen ich zusammenarbeite und meine Freizeit verbringe, um gemeinsam etwas zu bewegen.  Grüppchenbildung ist menschlich, aber es darf nicht dazu führen, dass sich Menschen ausgegrenzt fühlen. Wenn wir gesellschaftlich etwas verändern wollen, müssen wir alle auch bereit sein, eigene Befindlichkeiten mal zurückzustellen. Wir müssen _vorleben_ , was wir von anderen wollen.

Anders funktioniert das nicht.

Sonst fahren wir den Kahn bald gegen die Wand und der Traum von einer echten politischen Alternative in diesem Land ist ausgeträumt.